Zwischen Karenz und dem nächsten Kapitel

Zwischen Karenz und nächsten Kapitel

Durch die Geburt meines Sohnes wurde mir etwas geschenkt, das im Alltag oft zu kurz kommt: Zeit. Zeit, die ich bewusst mit ihm verbringen darf.

Mit der Geburt beginnt aber nicht nur ein neues Kapitel als Familie, sondern auch viele organisatorische und berufliche Fragen. Eine davon ist die Karenz.

Karenz bedeutet in Österreich, dass das Arbeitsverhältnis für eine gewisse Zeit ruht. Man ist von der Arbeit freigestellt und erhält kein Gehalt vom Arbeitgeber. Stattdessen kann – wenn die Voraussetzungen erfüllt sind – Kinderbetreuungsgeld bezogen werden.

In Österreich gibt es zwei Modelle beim Kinderbetreuungsgeld: das pauschale Kinderbetreuungsgeldkonto und das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld.

Wir haben uns für das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld entschieden und unsere Karenz so aufgeteilt, dass wir einen Monat gleichzeitig zuhause sind. Insgesamt beziehen wir dadurch Kinderbetreuungsgeld bis unser Sohn etwa 13 Monate alt ist.

Mein Mann und ich teilen uns die Karenz außerdem bewusst auf, damit wir Anspruch auf den Partnerschaftsbonus haben. Uns war wichtig, dass wir beide diese intensive Zeit mit unserem Kind erleben können.

Für mich persönlich war die Karenz auch eine Zeit, in der mein Körper und mein Kopf endlich einmal herunterkommen konnten. Nach einem sehr intensiven Job hat mir diese Pause gutgetan.

Gleichzeitig tauchte relativ schnell eine Frage auf, die wahrscheinlich viele Eltern kennen:

Wie geht es danach weiter?

– Kehre ich in meinen alten Job zurück?

– Möchte ich etwas verändern?

– Nutze ich die Zeit für Weiterbildung?

Ich habe mich intensiv damit beschäftigt, welche Möglichkeiten es nach der Karenz gibt.

Natürlich hängt vieles von der individuellen Situation ab – vom Arbeitgeber, von der finanziellen Situation und von den Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Trotzdem möchte ich hier ein paar Optionen teilen, die ich für mich durchgedacht habe.


Möglichkeit 1: Zurück in den bisherigen Job

Viele Eltern entscheiden sich dafür, nach der Karenz wieder in ihren bisherigen Job zurückzukehren.

Manche arbeiten zunächst wieder Vollzeit – zum Beispiel während der Karenz des Partners – und reduzieren später die Stunden.

Eine häufig genutzte Möglichkeit ist dabei die Elternteilzeit. Unter bestimmten Voraussetzungen besteht darauf sogar ein gesetzlicher Anspruch, etwa wenn der Betrieb eine bestimmte Größe hat und das Dienstverhältnis bereits mehrere Jahre besteht.

Dieses Modell kann helfen, den Wiedereinstieg in den Beruf besser mit der Betreuung eines kleinen Kindes zu vereinbaren.

Möglichkeit 2: Jobwechsel und Weiterbildung

Für mich persönlich hat sich noch eine andere Möglichkeit ergeben.

In Wien gibt es über den WAFF (Wiener Arbeitnehmer*innen Förderungsfonds) Förderprogramme für Weiterbildungen während der Karenz. Unter bestimmten Voraussetzungen können dort Ausbildungen mit bis zu 80 % gefördert werden.

Das kann gerade während oder rund um die Karenz eine spannende Chance sein: Man nutzt die Zeit für eine Weiterbildung und verbessert damit die Chancen auf einen neuen Job oder ein höheres Gehalt in der eigenen Branche.

Für mich war das eine sehr interessante Option, weil sie einen bewussten beruflichen Neustart ermöglicht.

Möglichkeit 3: Karenz bis zum zweiten Geburtstag des Kindes

Die gesetzliche Karenz kann grundsätzlich bis zum zweiten Geburtstag des Kindes dauern.

Wenn sich beide Elternteile die Karenz teilen, kann diese Zeit vollständig ausgeschöpft werden. Wird die Karenz nur von einem Elternteil genutzt, endet sie früher.

Finanziell ist allerdings zu beachten, dass das Kinderbetreuungsgeld meist deutlich früher endet. Die restliche Zeit der Karenz ist daher in vielen Fällen unbezahlt – mit Ausnahme des einkommensunabhängigen Kinderbetreuungsgeldes.

Ob diese Option realistisch ist, hängt natürlich stark von den eigenen finanziellen Möglichkeiten und von der Kinderbetreuung ab.

In Wien gibt es zum Beispiel Kinderkrippenplätze häufig ab dem ersten Geburtstag – aber auch hier unterscheiden sich Verfügbarkeit und Wartelisten je nach Bezirk.

Möglichkeit 4: Austritt aus dem Dienstverhältnis nach der Karenz

Eine Möglichkeit, von der ich vorher selbst noch nie gehört hatte, ist ein Austritt aus dem Dienstverhältnis nach der Karenz aufgrund von Mutterschaft.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann man das Arbeitsverhältnis rund drei Monate vor Ende der Karenz beenden. Diese Regelung kann insbesondere dann interessant sein, wenn man nach der Karenz ohnehin nicht zum bisherigen Arbeitgeber zurückkehren möchte.

Je nach Art der Abfertigungsregelung können dabei auch Ansprüche erhalten bleiben.

Diese Variante ist allerdings rechtlich komplex und hängt stark von der individuellen Situation ab. Ich selbst habe davon erst im Gespräch mit der Arbeiterkammer erfahren.

Wenn man diesen Schritt überlegt, würde ich auf jeden Fall empfehlen, sich vorher bei der Arbeiterkammer beraten zu lassen.


Meine wichtigste Erkenntnis aus dieser Zeit

Karenz ist nicht nur eine Pause vom Job. Für mich ist sie auch eine Phase geworden, in der ich mein Berufsleben neu reflektiere.

Plötzlich stellt man sich Fragen, für die im Alltag vorher kaum Zeit war.

– Was möchte ich beruflich wirklich?

– Wie soll mein Arbeitsalltag mit Kind aussehen?

– Welche Prioritäten haben sich verändert?

Es gibt darauf keine universelle Antwort – jede Familie findet ihren eigenen Weg.

Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag beschreibt meine persönlichen Erfahrungen und Überlegungen rund um Karenz und berufliche Möglichkeiten danach.

Arbeits- und sozialrechtliche Regelungen können sich ändern und hängen außerdem stark von der individuellen Situation ab (zum Beispiel vom Dienstverhältnis, Kollektivvertrag oder Familienmodell).

Der Artikel stellt daher keine Rechtsberatung dar. Wenn ihr euch mit Karenz, Wiedereinstieg oder arbeitsrechtlichen Optionen beschäftigt, lohnt es sich, eine individuelle Beratung in Anspruch zu nehmen – zum Beispiel bei der Arbeiterkammer oder anderen Beratungsstellen.

Bezüglich Karenz und Kinderbetreuungsgeld kann ich eine persönliche Beratung bei Nanaya zum Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf und andere Herausforderungen der Elternschaft“ (https://www.nanaya.at/pilotprojekt) sehr empfehlen.

Weiterführende Informationen

Arbeiterkammer – Karenz

Österreich.gv – Karenz und Mutterschutz

Österreich.gv – Kinderbetreuungsgeld

WAFF Förderungen

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